MikroTik hat mit RouterOS 7.25.1 (sowie korrespondierend 7.24.6 für den Long-Term-Channel) ein wichtiges Wartungs- und Sicherheitsupdate veröffentlicht. Unter dem Changelog-Eintrag „system - improve stability (includes CVE-2026-98432)“ sowie in den offiziellen Sicherheitshinweisen unter https://mikrotik.com/supportsec informiert MikroTik über die Behebung der kritischen Schwachstelle CVE-2026-98432.
Ein zeitnahes Update auf RouterOS 7.25.1 wird allen Betreibern dringend empfohlen.
Technischer Hintergrund: Was steckt hinter CVE-2026-98432?
Da MikroTik RouterOS auf dem Linux-Kernel basiert, wirken sich Sicherheitslücken im zentralen Netzwerk-Stack des Kernels häufig auch unmittelbar auf RouterOS-Systeme aus. Bei CVE-2026-98432 (CVSS v3 Base Score: 9.8 – Kritisch, CWE-825) handelt es sich um eine schwerwiegende Use-After-Free (UAF)-Schwachstelle in der IPv4-TCP-Implementierung des Linux-Kernels.
Wie entsteht der Fehler im TCP-Handshake?
Die Ursache liegt in der Speicherverwaltung von IPv4-Optionen (inet_opt bzw. ireq_opt) während des TCP-Verbindungsaufbaus (3-Wege-Handshake):
- Direkte Übergabe ohne Kopie: Wenn ein TCP-Listener ein eingehendes Verbindungs-Setup verarbeitet (
tcp_v4_syn_recv_sock()), wird der Zeiger auf die empfangenen IP-Optionen des Request-Sockets (ireq->ireq_opt) direkt an den neu erzeugten Child-Socket (newinet->inet_opt) übergeben, ohne die Speicherstruktur im RAM zu duplizieren. - Race Condition bei SYN-Retransmits: Auf Mehrkern-Systemen kann zeitgleich ein weiterer CPU-Kern ein erneut übertragenes (retransmitted)
SYN-Paket für denselben Request-Socket verarbeiten und übertcp_check_req()das Senden einesSYN-ACK-Pakets anstoßen – ohne dass dabei der Haupt-Lock des Listeners gehalten wird. - Use-After-Free (Zugriff auf bereits freigegebenen Speicher): Wird der Child-Socket oder Request-Socket in diesem Zeitfenster abgebaut oder migriert, wurde der Speicherbereich für die IP-Optionen bisher unmittelbar mittels
kfree()freigegeben, während ein anderer Thread (z. B. inip_options_build()oderip_build_and_send_pkt()) noch lesend darauf zugreift.
Welche Auswirkungen hat die Schwachstelle?
- Remote Denial-of-Service (DoS): Durch gezieltes Ausnutzen der Race Condition über speziell getimte IPv4-TCP-Pakete mit IP-Optionen lässt sich aus der Ferne und ohne Authentifizierung eine Speicherbeschädigung im Kernel auslösen, die unmittelbar zu einer Kernel Panic und damit zum Absturz bzw. Neustart des Routers führt.
- Potenzielle Remote Code Execution (RCE): Wie bei Use-After-Free-Schwachstellen im Kernel-Heap üblich, kann ein Angreifer bei erfolgreicher Manipulation des Speicherlayouts (Heap Feng Shui) im schlimmsten Fall auch beliebigen Code mit Kernel-Rechten zur Ausführung bringen.
Im Upstream-Kernel – und nun auch in RouterOS 7.25.1 – wurde das Problem behoben, indem die Speicherfreigabe von inet_opt und ireq_opt in inet_sock_destruct() und tcp_v4_reqsk_destructor() auf eine RCU-verzögerte Freigabe (kfree_rcu()) umgestellt wurde. Dadurch bleibt der Speicherbereich garantiert so lange gültig, bis alle parallelen Lesezugriffe im Netzwerk-Stack abgeschlossen sind.
Handlungsempfehlung für Administratoren
Da für das Ausnutzen von CVE-2026-98432 lediglich ein erreichbarer IPv4-TCP-Dienst auf dem Gerät benötigt wird, sollten insbesondere Router mit öffentlich erreichbaren Diensten (oder exponierten Management-Interfaces) schnellstmöglich aktualisiert werden:
- Update auf RouterOS 7.25.1 (Stable) bzw. 7.24.6 (Long-Term) einspielen:
Über WinBox, WebFig oder auf der CLI via:1/system package update check-for-updates 2/system package update install - Angriffsfläche auf TCP-Listener minimieren:
Unabhängig vom Patch gilt wie immer die goldene Grundregel: Keine administrativen TCP-Dienste (WinBox, SSH, WebFig, API) ungeschützt im Internet exponieren. Nutzen Sie konsequent Firewall-Regeln in derinput-Chain sowieaddress-Restriktionen unter/ip serviceoder greifen Sie ausschließlich über VPN (z. B. WireGuard) auf das Management zu. - Sicherheitsmeldungen im Blick behalten:
Aktuelle Sicherheitsbulletins und Informationen zu behobenen CVEs veröffentlicht MikroTik zentral auf der Security-Übersichtsseite unter https://mikrotik.com/supportsec.
